Inhalt
Sentimentalität
das letzte Mal hab ich geweint...
Mit-Menschen
der Körper braucht...
Irisbogen, untastbar
am Horizont...
Dorffriedhof
mit Gelächter und Radio...
Anrufbeantworter
dieser Anschluß ist nicht zu sprechen...
Gautama
hatte Königslos verschmäht...
wurm-end
okay um okay...
privatim
entriegle ich die Tür...
Regatta
die Zeit beschleunigt...
Schattenbindung
auf weißem Strand...
wie wir wandeln
die rund gespülten Steine...
Strandgut, hölzern
die Küste von Blendung und Schatten...
ruft meine Stimme als mp3 auf
die Platte,
bietet mit Bildern verbundene Verse.
Im Falle jeden Falles ist die Mailnische empfangsbereit.
Das Copyright aller Texte liegt bei mir, weshalb
sie nur zu privatem Gebrauch kopiert
und in keinerlei Rahmen der Öffentlichkeit präsentiert werden dürfen!
Sentimentalität
das letzte Mal hab ich geweint
als der Säbelzahntiger ausstarb
dieses herrliche geschmeidige grausame
lusthungrige Tier
dessen Fauchen Sturm war
und vorher glaub ich einmal
als alle Saurier verreckten
wegen der Eiszeit
oder wegen eines Sternabsturzes
denn es waren unersetzliche Bestien
und nun weine ich fast
weil du sagst
dass du mich brauchst
ich aber leider
nicht mehr zu
gebrauchen bin
(1982)
Mit-Menschen
der Körper braucht die Fühllust fordert
die Kehlen tönen mit und nach
die Ohren nicken einverständig
vom Zeitplan gibt man sich Minuten
in Zähnen steckt das Quecksilber
die Münder lutschen Freizeit ab
Termine laufen ab und über
Geschlechtsorgane touchieren sich
die Rückenknochen sind verschlissen
die Lebern dunsen weiter auf
man schweigt zum siebten Mal dasselbe
die Glücke grasen einander ab
man frönt dem Augenblick als Spiegel
man hudelt Lob und lästert heimlich
des eigenen Unwohls Schmied ist jeder
es geht sich gut und geht vorüber
(1993)
Irisbogen
untastbar am Horizont
feuchter transparenter Steg
Schlangenwechselbalg
von Sol und Donnerwolken
ergleißt durch luftige Haut
gelehnt an den Bauch
der Erde
Vision
verfolgt vorm
Erlöschen
(1993/2003)
mit Gelächter und Radio
mähen junge Leute
eine Wiese frei
für Fallobst
abseits
die geneigte Schale
im blassroten Mauerrand
drängeln Steinmale
glänzend geschliffen
nach ihrer Lücke
stockgestützt sucht
die alte Frau
hinter ihren Lippen
spazieren eingravierte
Namen noch einmal
(1996)
dieser Anschluss ist nicht
zu sprechen aber
beantwortet jede Frage
bevor sie gestellt ist
ich surre und banne fest
mein Bediener west ab privat oder mobil
der surrt auch gern
in Frühlingen Weinen Nachtigallen Bildschirmen
könnte Gesprächsteilnahme verweigern
hinter Blättern Spiegeln Koitussen
nicht zu erreichen sein
ich surre Ersatz und piepe gleich
du hast hierher gewählt
kannst dich ins Band
meines Schweigens bannen
ab jetzt neunzig Sekunden
(1997)
hatte Königslos verschmäht
um zu durchträumen alles:
Teufel Götter Leblinge
harrte sieben Jahre aus;
zersickert in die Elemente;
west ein hungernder Stein
unter Bodhi-Yggdrasil
traute keinem Wort oder Götzen;
saß eine Lotosblume
vor aller Frage
mit offenem Mund
Ameisen und Mücken krabbelten
Schnecken und Würmer krochen
in die Speiseröhre
die Zunge polsterte Moos
verging an sich selbst;
Visionenbrut entschlüpfte
aus seinen Nischen
und einmal gebar Mann
stand auf ohne Schlacken
erhaben erleuchtet geheißen
und weilte ungern länger
um zu sprechen unvergesslich
schlief sorglos fort und
wurde mächtig heilig ausgedehnt;
wie viele vergingen sich
ergötzten sich am Vergötzen
ein Nachlass bleibt:
unbestechliches Lächeln
ob gütig ob böse
(1998/2003)
privatim
entriegle ich die Tür und
verlege mich nach draußen -
mein Schatten bleibt
drinnen angebunden
geknebelt und gefesselt
an jeder Extremität
liegt er auf dem Bett
und fügt sich ohne Murren
unter grauer Larve eile ich
zu den Geschäften, schwatze mich
zu Waren und Erfolgen -
wenn nur nichts durchscheint
er harrt indessen seines Wärters
räkelt den durstigen Leib
leuchtet bunt und lächelt stumm
bis wir uns wieder einen
dann nachten wir und tagen
über Verliese und Exklaven
wer von uns mehr Leid oder Lust habe
wo wir gemeinsam wesen könnten
(1998/2003)
die Zeit
beschleunigt
der Wellenkamm steigt und steigt
ein paar Surfer darauf
Punkte Pünktchen bald
durch Höhe oder Fall verwischt
wir paddeln hinterher
längst abgehängt
in planem Gewässer
uneinholbar beschleunigt
die Zeit
vielleicht zu überholen
mit Innehalten
nicht erschlagen werden
wenn sie bricht
(2001)
Schattenbindung
auf weißem Strand
übersät von Muschelschalen und Steinen
bilden wir uns ab
Hände reichen sich bloß
unsere Schatten
Busch der Gelegenheit
ist ein angespültes Astskelett
unter milchblauem Himmel
vor der eisblauen See
zwischen dimmernden Horizonten
und ganz allein
(2002)
wurm-end
o k a y u m o k a y k l i c k e n w i r
auf die Projektionsflächen
in unsere Sicherheitsspeicher
laufen aus Schleifen zum Neustart
s t ü c k u m s t ü c k s t ü r z e n w i r
aus jedem Schirm und Netz
ohne Elektrisieren und Flimmer
fragmentiert sich die Entropie
a b
(1998/2004)
Strandgut, hölzern
die Küste von Blendung und Schatten
schneidet aus
die Scheide von Steinen und Meer
lagert ab
Licht zog, Durst trieb
hinauf und zu Grund:
aufgegabeltes Skelett liegt noch
schräg gestreckt und blank verhungert
war dem nicht gewachsen
(2005)